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Passen ätherische Öle zu einem ökologisch-nachhaltigen Lebensstil? - Teil 2

15. Juni
8 Min. Lesezeit

Lese unbedingt Teil 1, wenn du ihn noch nicht kennst!


Bio statt konventionell


Ist es nicht schade, dass wir überhaupt zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft unterscheiden müssen? Wäre es nicht schön, wenn es nur eins gäbe? Wenn wir Menschen im Miteinander mit unserer Umwelt leben würden und tiefen Respekt, Wertschätzung und Verbundenheit zu den Pflanzen und Tieren, die mit uns auf diesem Planeten leben, empfinden würden? Einfach zurück zu den Ursprüngen? Stattdessen baut unsere heutige Welt auf einem System der Ausbeutung. Und damit meine ich nicht alleine die Ausbeutung von Menschen und Tieren, sondern auch die von unserem Planeten - Mutter Erde.


Die Landwirtschaft hat einen erheblichen Einfluss auf unser Klima, unsere CO2-Bilanz, Wetterextreme, Hungersnöte, Trinkwasserversorgung und das Artensterben - und damit so viel Potenzial für Veränderung. Das Bild konventionell bewirtschafteter Flächen ist überall gleich: offene Ackerflächen, die enorme Mengen Wasser verdunsten und immer größer werdende Felder, die ungeschützt in der Landschaft liegen. Der Boden hat keinen Schutz vor Austrocknung und Erosion mehr. Der Lebensraum von Tieren und Insekten geht verloren, die zur Bestäubung unsere Blühpflanzen enorm wichtig sind. Honigbienen (streng genommen übrigens auch eine Massentierhaltung) machen nur einen kleinen Teil der Bestäuberleistung aus. In unserem fein abgestimmten Ökosystem gibt es so viele spezialisierte Insekten, die mit Rückgang der Pflanzenvielfalt aussterben wenn ihre Futterpflanzen von Monokulturen und Ackergiften verdrängt werden. Ich könnte dir noch viele weitere Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft nennen, möchte mich aber lieber auf Lösungen konzentrieren. Ich hörte von einer Dozentin mal die Aussage “Lieber Teil der Lösung, als Teil des Problems!” und habe diesen Satz verinnerlicht. Es war in einem Kurs über Permakultur. Ich bin der Meinung, dass Permakultur die Zukunft ist. Wir müssen damit aufhören uns egoistisch über die Natur zu stellen und wieder zurück in ein Leben im Einklang mit der Natur und dem Jahreskreis. Wir müssen unsere bestehenden Ökosysteme bewahren und zerstörte Vielfalt wieder aufbauen. Das funktioniert aber nur, wenn jeder (im Rahmen seiner Möglichkeiten) mit macht. Ein gesundes Ökosystem bringt mehr Ertrag als eine kontrollierte, konventionelle Monokultur, die regelmäßig mit Ertragseinbußen zu kämpfen hat.


Wer ganz nah im eigenen Umfeld etwas für die Natur tun möchte, lädt Vielfalt (und ein bisschen Wildnis) in seinen Garten oder auf den Balkon mitsamt seinen Bewohnern ein.


Nachdem es aber (noch) keine ätherischen Öle von einem Anbieter gibt, der mit seinem Permakultur-Anbau wirbt (melde dich bei mir unbedingt, wenn du mehr weißt!), spreche ich noch ein bisschen über die biologische Landwirtschaft. Was man auch an ihr aus Permakultur-Sichtweise kritisieren kann, sind die häufig vorkommenden Monokulturen. Aber immerhin sind es Monokulturen, die nicht mit Kunstdüngern gefüttert werden weil der Boden so ausgelaugt ist, dass er die Pflanzen nicht mehr nähren kann. Und immerhin sind diese Kulturen nicht vergiftet und genmanipuliert, weil sie sonst zu schwach sind um zu bestehen. Neben der schädlichen Wirkung von Ackergiften auf unsere Umwelt ist auch die gesundheitliche Belastung für den Menschen (vom Landwirt bis zum Konsumenten) nicht zu unterschätzen.

Einen guten Überblick gibt dir die Broschüre über Pestizide vom NABU.


Demeter ist in Deutschland der Bio-Verband mit den strengsten Richtlinien und wurde bereits 1924 gegründet. Produkte mit dem Demeter-Siegel stehen für Bio-Produkte, die in einer lebendigen Kreislaufwirtschaft im Einklang mit der Natur erzeugt werden und gehen weit über die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung hinaus. 2019 wurde der Film “Unser Boden, unser Erbe” u.a. in Kooperation mit Demeter veröffentlicht. Ich kann ihn dir sehr empfehlen.

Es gibt noch nicht viele ätherische Öle mit demeter-Zertifizierung, aber wenn du mal durch das Sortiment der renommierten Hersteller im deutschsprachigen Raum stöberst, wirst du einige entdecken. Und auch unter den Anbietern, die “nur” eine einfache EU-Bio-Zertifizierung o.ä. haben und sich nicht dem demeter-Verband angeschlossen haben, gibt es einige tolle Projekte, die weit über die Standards der Zertifizierung hinaus gehen. Aber wie immer ist es auch hier eine Kostenfrage, ob sich ein Landwirt die teurere Zertifizierung leisten kann oder möchte.


Warum erzähle ich dir das Ganze? Damit du verstehst warum es so wichtig ist, auch bei den ätherischen Ölen auf Bioqualität und aussagekräftige Zertifikate zu achten. Und dabei meine ich unabhängige Zertifizierungen von bekannten Prüfgesellschaften (EU-Bio, demeter, Natrue, AB-Cert, CSE) und keine firmeneigenen Siegel. Die Öle sind so hochkonzentriert, es braucht eine so große Menge Pflanzenmaterial um sie herzustellen und diese Pflanzen wachsen in den meisten Fällen auf bewirtschafteten Anbauflächen. Und genau da können wir aktiv werden und mit unserem Einkauf entscheiden, ob wir mehr nachhaltige, umweltfreundliche oder ausbeutende Systeme unterstützen.

Natürlich geht es nicht immer, aber es geht oft. Manche ätherischen Öle gibt es einfach nicht in bio. Häufig liegt das dann daran, dass deren Pflanzen nicht angebaut werden sondern wild gesammelt werden. Aber auch dann - vielleicht vor allem dann - sollten wir einen Hersteller wählen, der schonend und wertschätzend mit Pflanzen aus Wildbeständen umgeht.


Wenn du zu dem Thema noch ein bisschen weiterlesen magst, schau gerne mal in den Artikel "Über uns, die Welt, Artenschutz und Gewinnmaximierung" von Eliane Zimmermann.



Die richtige Dosierung ätherischer Öle


“Verdünnen weil wertvoll und kostbar” waren meine Stichworte für diesen Abschnitt. Mehr müsste ich eigentlich gar nicht mehr dazu sagen, aber ich tu es trotzdem.


Nach all den vorausgehenden Punkten verstehst du vielleicht schon, welche Verantwortung du bei der Anwendung ätherischer Öle trägst. Sie sind Grund genug, den Ölen die notwendige Wertschätzung entgegen zu bringen und sie nicht gedankenlos zu verbrauchen. Leider werden immer wieder Empfehlungen von manchen Firmen und ihren Beraterinnen herausgegeben, bei denen in meinen Augen vor allem der Konsum im Vordergrund steht. Gepackt in Worte mit Wohlfühl-Charakter. Auch in Büchern von Autorinnen, die mit diesen Firmen zusammen arbeiten, liest man die Empfehlung ätherische Öle pur oder in 50%-iger Verdünnung anzuwenden. Mal abgesehen von den körperlichen Folgen, die langfristig durch so eine kontinuierliche Überdosierung entstehen können, ist es auch der Pflanze und der Umwelt gegenüber nicht besonders verantwortungsbewusst.


Ätherische Öle sind Konzentrate. Ich wiederhole: Konzentrate. Es steckt so viel Pflanzenmaterial in einem Fläschchen Öl, wie sich die meisten Anwenderinnen wahrscheinlich nicht vorstellen können. Dieses Pflanzenmaterial muss angebaut, gepflegt, geerntet und destilliert werden. Das passiert überwiegend von Hand. Viele Blüten zum Beispiel werden in den Morgenstunden gepflückt, da zu dieser Zeit ihr Duft am Intensivsten ist. Und wenn du mal überlegst, wie wenig eine Rosen- oder Jasmin-Blüte wiegt, dann bekommst du vielleicht eine Ahnung davon, wie viele Hände und Arbeitseinsatz es braucht um mehrere Tonnen Blüten für eine spärliche Ausbeute an ätherischem Öl bzw. bei den meisten Blüten als Absolue (=Auszug) zu bekommen. Aber auch andere Pflanzen, wie z.B. die Melisse enthalten so geringe Mengen ätherisches Öl, dass enorme Mengen Pflanzenmaterial benötigt werden. Melisse ist zudem ein extrem empfindliches Kraut und wird direkt nach der Ernte frisch destilliert. Vielleicht hast du sie im Garten und weißt von der Kräuterernte wie schnell sie welkt und wie vorsichtig man mit ihr umgehen muss.


Zahlen und Fakten:


  • 6-8 Tonnen Melissenkraut ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 1-2 Tonnen Rosenblüten ergeben 600ml Absolue

  • 1 Tonne Jasminblüten (ca. 8 Millionen Blüten) ergeben 1kg Absolue

  • 600 kg blühendes Schafgarbenkraut ergibt 1 kg ätherisches Öl

  • 500 kg Kamillenblüten (Matricaria recutita) ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 500 kg Pfefferkörner ergeben 1kg ätherisches Öl

  • 300-500 kg Rosengeranienblüten und -kraut ergeben 1 kg ätherisches Öl


Natürlich gibt es auch deutlich ergiebigere Pflanzen(teile), das gibt uns aber nicht den Freifahrtschein mit ihren ätherischen Ölen verschwenderisch umzugehen:


  • 200 kg Zitronen-Fruchtschalen ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 120 kg blühende Lavendelrispen ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 100 kg Koriandersamen ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 100 kg leicht angetrocknetes Pfefferminzkraut ergibt 1 kg ätherisches Öl

  • 80 kg blühende Zweigspitzen Rosmarin ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 70 kg Zweige und Zapfen der Zypresse ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 50 kg Vetiverwurzeln ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 33 kg fermentierte, getrocknete Patchouliblätter ergeben 1 kg ätherisches Öl

  • 1,5kg Benzoe Harz ergeben 1 kg Resinoid


Alle Zahlen nachzulesen im Fachbuch “Praxis Aromatherapie” von Monika Werner und Ruth von Braunschweig (6. Auflage).


Vielleicht fällt dir auf, dass zur Gewinnung der Duftstoffe überwiegend nicht dauerhaft verfügbares Pflanzenmaterial verwendet wird. Während die Zweige von Nadelbäumen oder Zitrusfrüchte nahezu das ganze Jahr über geerntet und destilliert werden können, stehen Früchte, Blüten und Kraut nur eine bestimmte Zeit im Jahr zur Verfügung. Auch können die Pflanzenteile nicht immer frisch verwendet werden, sondern es erfolgen vor der Destillation teilweise noch andere Arbeitsschritte wie z.B. die Fermentation.


Um dir noch ein paar besser vorstellbare Beispiele zu nennen, wieviel Pflanzenkraft in einem Tropfen Öl (=Konzentrat) steckt:


  • 28 Tassen Pfefferminztee entsprechen 1 Tropfen Pfefferminzöl

  • 50gr frisches Oreganokraut ergibt 1 Tropfen Oreganoöl

  • 30 Rosenblüten ergeben 1 Tropfen Rosenöl


Überleg mal, wieviel du von den Pflanzen selbst konsumieren würdest und im Vergleich dazu, wie du ätherische Öle bisher dosiert hast. Fällt dir etwas auf?


Neben den gefährdeten Pflanzen sollten vor allem auch Kernholz- und Wurzelöle mit besonderer Umsicht verwendet werden, da für sie immer die ganze Pflanze sterben muss. Besonders Bäume sind nicht innerhalb von einem oder wenigen Jahren wieder auf die selbe Größe gewachsen wie bei der Ernte. Werden Zweige, Früchte, Samen oder Blätter destilliert, kann die Pflanze weiter leben oder neu austreiben. Um an das Kernholz zu kommen, muss der ausgewachsene Baum gefällt und für Wurzeln und Rhizome die Pflanze ausgegraben werden.


Beispiele hierfür:


  • Adlerholz/Oud

  • Angelikawurzel

  • Ingwer

  • Iris

  • Linaloeholz

  • Narde

  • Rosenholz

  • Sandelholz

  • Zeder


Verstehst du jetzt nochmal mehr, welche Verantwortung du bei der Anwendung ätherischer Öle trägst und wie wichtig Hintergrundwissen ist um achtsam mit der Ressource Natur umzugehen? Ätherische Öle statt Chemikalien im Alltag zu nutzen ist ein Schritt in die richtige Richtung zum ökologisch-nachhaltigen Leben, aber bei Überkonsum noch lange nicht ressourcenschonend und damit für mich auch nicht nachhaltig. Und deshalb ist es mir so wichtig, darüber aufzuklären. Weil dieses Wissen viel zu wenige Menschen haben, es aber so essentiell wichtig ist für einen sorgsamen Umgang mit dem Planeten.



Wie also richtig verdünnen?


Bei der Dosierung der ätherischen Öle gibt die Arndt-Schulz-Regel eine Orientierung:


“Schwache Reize fachen die Lebenstätigkeit an,

mittelstarke Reize fördern sie,

starke hemmen sie,

stärkste heben sie auf.”


Das heißt, wir verdünnen die ätherischen Öle für den normalen Gebrauch auf ein physiologisches Maß. Das sind 1% und entsprechen 2 Tropfen ätherischem Öl auf 10ml Trägeröl, 20 Tropfen für 100ml Trägersubstanz.


Paracelsus’ Worte vermitteln die selbe Botschaft: “Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist” und das sollten wir bei jeder Anwendung im Hinterkopf behalten. Einige ätherische Öle, die hautreizend (z.B. Thymian Thymol, Zimt, Oregano, Nelke) oder besonders reich an Monoterpenketonen (z.B. Salbei, Rosmarin CT Kampfer/Borneon) sind, sollten auf 0,5% verdünnt werden und für Tiere nur in Absprache mit einer ausgebildeten Fachkraft angewendet werden. Es gibt aber in den allermeisten Fällen deutlich sanftere Alternativen.


Nachdem viele ätherischen Öle ihr volles Wirkspektrum erst in ausreichender Verdünnung erreichen und einige von ihnen erst in starker Verdünnung für unsere Nase und die unserer Tiere angenehm riechen, sollten wir erst recht achtsam dosieren.



Wissen schafft Bewusstsein


Ökologisch-nachhaltig leben ist für mich mehr als ein Trend. Es ist für mich eine Lebenseinstellung. Es bedeutet für mich: im Einklang mit der Natur, Artenvielfalt fördern und dadurch Artensterben vermeiden, regionale Bio-Landwirte unterstützen, Lebensräume schaffen, die Natur einladen statt sie zu verdrängen und noch so vieles mehr. Aber auch: weniger ich, mehr wir. Ich gebe gerne etwas mehr Geld für ätherische Öle oder meine Konsumgüter wie Lebensmittel, Kleidung und Alltagsgegenstände aus, wenn ich weiß, dass das Geld bei dem ankommt, der die Ware produziert. Für mich ist das eine Frage der Wertschätzung. Ich möchte Gerechtigkeit für Menschen und den Planeten. Ich möchte, dass auch der Produzent meiner Lebensmittel oder die Töpferin meines Geschirrs einen fairen Lohn bekommt, von dem sie leben kann. Ich möchte das System der Ausbeutung nicht unterstützen. Ich möchte dass meine Lebensmittel und Kleidung so angebaut werden, dass auf den Flächen Lebensräume entstehen können und keine totgespritzten Monokulturen wachsen.


Aber vor allem fängt ökologisch Leben für mich mit Bewusstsein an. Bewusstsein darüber, wie(viel) ich konsumiere und welchen Einfluss ich damit habe. Denn unser Einkaufszettel ist unser Stimmzettel. Wir haben jeden Tag aufs neue die Wahl wen und welches System wir unterstützen. Und Bewusstsein erlangen wir nur, wenn wir wissen. Und nur wenn wir etwa wissen, können wir etwas verändern.



Komm in mein Grundlagenseminar “Aromatherapie für Pferde”!


Wenn du jetzt das Gefühl hast, du hast noch einige Wissenslücken und möchtest dir ein gutes Fundament an Grundlagen schaffen, in die Welt der Aromatherapie eintauchen oder deinen Wissensschatz erweitern, dann melde dich für mein 2-Tages-Grundlagenseminar “Aromatherapie für Pferde - Aromatherapie erleben und verstehen. Für einen verantwortungsvollen Umgang am Pferd.” am 21.+22.11.2026 vor Ort in 24802 Emkendorf an!


Es ist geeignet für Therapeuten und engagierte Pferdebesitzer mit und ohne Vorkenntnissen zu ätherischen Ölen. Wir bauen in diesen zwei Tagen gemeinsam (d)ein Fundament wie du selbstständig und eigenverantwortlich ätherische Öle ressourcenschonend und sinnvoll an deinem Pferd oder dem deiner Kunden anwendest. Also auf was wartest du noch? :-)


Duftauswahl beim Pferd mal anders und anschließende Trockeninhalation. Das lustige Video zu Bild Nr. 1 findest du übrigens auf meinem Instagram-Account @aromatherapie.js




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