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Passen ätherische Öle zu einem ökologisch-nachhaltigen Lebensstil? - Teil 1

15. Juni
8 Min. Lesezeit

Hand aufs Herz: wer an ätherische Öle denkt, denkt an etwas Reines, etwas Ursprüngliches, etwas Natürliches. Sie werden gerne in den Kontext mit Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit gesetzt. Um die Botschaft zu unterstreichen, werden solche Aussagen gerne mit Bildern von wunderschönen Blüten, sattem Grün der Blätter und atemberaubenden Landschaften ergänzt. Wer denkt da nicht, er tut sich und der Umwelt was Gutes?


So einfach ist es leider nicht. In unserer heutigen Welt geht es vor allem um eins: Konsum. Und das macht auch nicht vor der Aromatherapie-Branche halt. Es werden von einigen Firmen bewusst Anwendungen empfohlen, bei denen ätherische Öle in hohen Mengen verbraucht werden. Innerlich, äußerlich, fürs Kind, für die Mama, den Papa, die Oma und Opa und den kleinen alten Chihuahua. Alle dürfen baden in ätherischen Ölen. Alle dürfen von den wunderbaren Düften und der Kraft der Natur profitieren. Dabei ist die pure Anwendung doch die wirkungsvollste und reinste. Oder?


Nein! Es ist nicht sicher nur weil es Pflanzen sind und es steckt für mich auch keinerlei Verantwortung dahinter. Ätherische Öle sind richtige Kraftpakete - Konzentrate eben - und fordern einen sachgemäßen Umgang mit Sinn und Verstand.



Vom Aussterben bedrohte Arten


Würdest du eine bedrohte heimische Art wie die Schlüsselblume (Primula veris) oder die Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) in der Natur sammeln, weil sie doch in der traditionellen Heilkunde zur Behandlung von Erkältungs- und Atemwegserkrankungen eingesetzt werden? (Ich würde dir bei der Küchenschelle im Übrigen so oder so davon abraten, denn sie ist bei falschem Umgang giftig.) Aber vielleicht willst du sie auch einfach nur pflücken, weil die Blüte so schön ist und verwechselst sie dabei mit einer der vielen anderen stark gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Kuhschellen-Arten, wie der Frühlings-Kuhschelle (Pulsatilla vernalis). Sie kommt nur noch in Bayern vor und ist im restlichen Deutschland bereits ausgestorben. Die Daten kannst du gerne auf www.rote-liste-zentrum.de nachschauen.


Pulsatilla vulgaris-Zuchtform blüht im Frühling im Garten und ihre Samenstände im Sommer zwischen Oregano; in gelb blüht die Primula veris auch an Orten, wo man keine Pflanze erwarten mag


Vielleicht fragst du dich jetzt, was die Kuhschellen-Arten mit ätherischen Ölen zutun haben. Von ihr gibt es kein ätherisches Öl, aber dafür von so vielen anderen Pflanzen, die ebenfalls auf der roten Liste stehen und bedroht oder vom Aussterben bedroht sind. Vermutlich das bekannteste Beispiel sind die vielen Arten von Weihrauch (Boswellia carterii/sacra/serrata) und trotzdem wird er gerne als das Wunderheilmittel angepriesen. Neuerdings gibt es ihn auch bei einem bekannten Global Player mit den berühmt-berüchtigten Boswelliasäuren, deren Moleküle eigentlich nicht im ätherischen Öl enthalten sind weil sie zu groß sind und vom Wasserdampf während der Destillation nicht mit getragen werden können. Aber dank einer neuen Technologie gibt es jetzt sogar das. Noch ein Grund mehr, das Öl massenhaft zu verwenden? Nein! Denn wenn wir weiterhin Raubbau an den Weihrauchbäumen betreiben, gibt es bald gar keine mehr.

Und leider ist Weihrauch nicht das einzige Beispiel für bedrohte Arten, die als Rohstoff für die Aromatherapie, Parfümerie und Kräuterheilkunde genutzt werden. Unter airmidinstitute.org kannst du dir nach erfolgreicher Registrierung mit deiner E-Mail kostenlos die halbjährlich veröffentlichte Liste mit den in diesen Bereichen genutzten, gefährdeten und bedrohten Pflanzen nach dem 1973 unterzeichneten Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) downloaden.


Ein paar weitere global gefährdete Beispiele möchte ich dir aber noch nennen, die du sicherlich kennst:

  • Adlerholz/Oud (Aquilaria crassna/malaccensis/rostrata) - vom Aussterben bedroht

  • Atlaszeder (Cedrus atlantica) - stark gefährdet

  • (Pfefferminz-)Eukalyptus (Eukalyptus radiata) - potentiell gefährdet

  • Narde (Nardostachys jatamansi/grandiflora) - vom Aussterben bedroht

  • Rosenholz (Aniba rosaeodora) - stark gefährdet

  • Sandelholz Ostindisch/ Neukaledonisch/ Iliahi/ Berg/ Westaustralisch (Santalum album/ austrocaledonicum/ freycinetianum/ paniculatum/ spicatum) - potentiell gefährdet bis stark gefährdet

  • Vanille (Vanilla planifolia) - stark gefährdet


Erschreckend oder?



Ätherische Öle für eine bessere Welt


Wäre es dann nicht schön, wenn es ätherische Öle aus ehrlich nachhaltigen, ökologisch verträglichen und sozialen Projekten gäbe? Wenn sich ein Anbieter das Motto “für eine bessere Zukunft” auf die Fahne schreiben würde? Genau das gibt es und das macht Hoffnung. Es gibt so viele kleine, leider noch viel zu unbekannte Firmen von Menschen mit großen Visionen für eine bessere Welt. Eigentlich sollte ihnen die große Bühne gehören.


Eine davon ist ANIBA Rosewood mit Sitz in Wien. Aufmerksam bin ich durch den Blog-Artikel von Eliane Zimmermann geworden, in dem sie das Projekt vorstellt. Stephan Germuth ist das Gesicht hinter ANIBA Rosewood und hat sich - wie der Name schon anmuten lässt - auf das ätherische Öl von Rosenholz spezialisiert. Wie oben genannt, ist Rosenholz ein eigentlich äußerst kritisch zu betrachtendes ätherisches Öl, da der Baum Aniba rosaeodora zu den bedrohten Arten zählt. Das bei Parfumeuren beliebte, edle ätherische Öl duftet für ein Holzöl außergewöhnlich rosig und hat eine erdende und ausgleichende Wirkung. Doch das Projekt von ANIBA macht Mut, den Duft doch wieder öfter zu verwenden. Es entstand durch einen Hilferuf aus Peru, als Kleinbauern genötigt wurden ihr Land an einen großen Palmöl-Investor zu verkaufen. Doch statt der Ölpalmen wächst heute auf den Flächen Rosenholz in einem nachhaltigen Kreislauf zum Erhalt der Art, des Regenwaldes und seinen Einwohnern - für Generationen. Das dazugehörige ätherische Öl gibt es im Online-Shop von ANIBA zu kaufen. Nachdem ich ganz neu erst davon erfahren habe und noch selbst ein fast volles Fläschchen Rosenholz eines anderen deutschen Anbieters habe (ich wusste beim Kauf damals noch nicht um die Bedrohung der Art), wird es wohl noch eine Weile dauern, bis ich das Öl aus Peru testen kann. Nachdem es aber ein toller Beweis dafür ist, dass auch kleine Firmen Großes leisten können, möchte ich sie wenigstens auf diesem Weg unterstützen, indem ich dir davon erzähle.


Stephan und sein Sohn Ferdinand Germuth zu Besuch im Podcast bei Sabrina Herber und Eliane Zimmermann in der Folge “Der Peacemaker-Duft - achtsam, fair & nachhaltig”



Regional einkaufen bei kleinen Familienbetrieben


Wer ökologisch leben möchte, achtet wahrscheinlich beim Einkaufen auf regionale Produkte und kauft vielleicht sogar sein Obst und Gemüse im Hofladen vom Bio-Landwirt nebenan, von einer Solidarische Landwirtschaft (Solawi), über eine Öko-Kiste oder von einem Permakultur-Betrieb. Warum dann nicht konsequent bleiben und das mit ätherischen Ölen genauso machen?


Wir kaufen einen großen Teil von unserem Obst und Gemüse über die Permakultur-Kiste oder im Bio-Markt. Regional, umweltverträglich, sozial, vielfältig, ohne Verpackung. Gibt es nur große Einheiten zu kaufen, teilen wir es mit Freunden und Familie.


Es ist nicht notwendig bei weltweit agierenden Firmen aus Übersee zu kaufen, wo die Produkte lange Transportstrecken zurück legen und wir in eine Wirtschaft investieren, die nicht unsere eigene ist. Je nach aktueller Lage unterstützen wir damit eine Politik, der wir eigentlich lieber den Rücken kehren möchten. Also warum dann nicht nach heimischen Alternativen schauen? Wir haben hier im deutschsprachigen Raum einige wirklich tolle Familienbetriebe, die sehr viel Herzblut und Liebe in ihre Produkte stecken. Wir sichern diesen Familien damit das Überleben und ihr wertvolles Wissen, das teilweise über Generationen weiter getragen wurde, bleibt erhalten. Wir stärken unsere Region und sorgen für Arbeitsplätze und faire Löhne. Im Endeffekt profitieren wir selbst von der gestärkten Wirtschaft. Und gleichzeitig tut es der Umwelt gut, denn kurze Transportweg erzeugen weniger Treibhausgase. Auch wenn es nur solche kleinen Taten sind, kann doch jeder einzelne von uns viel dazu beitragen und der schnellen Erderwärmung entgegenwirken.


Passend dazu möchte ich dir noch den Familienbetrieb Bergila von der Familie Niederkofler in Südtirol vorstellen. Sie sind meiner Meinung nach ein Paradebeispiel für Authentizität, Nachhaltigkeit und wirtschaften im Kreislauf. Sie sind (wie viele andere regionale Betriebe auch) bio zertifiziert und verarbeiten ausschließlich regionale Rohstoffe. Das heißt, sie arbeiten mit den örtlichen Forstbehörden zusammen und entnehmen der Natur nur so viel Pflanzenmaterial wie es braucht, um Weideflächen zu erhalten. Latschenkiefern sind ein typisches Beispiel für Pflanzen in der Region, die sich auf den Weiden ausbreiten und Nutztieren und Landwirten die Weide rar machen. Werden von den Forstbehörden Bäume für die Holzverarbeitung gefällt, “räumt” das Team von Bergila “auf” und sammelt Äste und Zweige ein um sie zu destillieren. Das bei Abkühlung entstehende heiße Wasser nach der Destillation wird über eine Leitung in ein nahe gelegenes Hotel zur Energiegewinnung geleitet. Die entstandene Biomasse vom Destillieren, also die geschnittenen Äste und Zweige, wird zur Wärmegewinnung der Gebäude genutzt. Ich war selbst vor Ort und kann jedem den Besuch wärmstens empfehlen. In der Latschenbrennerei kann man jeden Schritt der Öl-Gewinnung verfolgen und sich bei den regelmäßigen Führungen alles erklären lassen. Das absolute Highlight ist wohl der Duftstadl, wo man seine Füße in die noch warmen Häcksel halten und einfach die Atmosphäre genießen kann! Wer vor Ort im Laden und in der Latschenölbrennerei war, sieht, wieviel Liebe und Achtsamkeit in den Produkten steckt. Deshalb macht es mich wirklich traurig, wenn kleine Firmen von großen Global Playern so schlecht geredet werden.


Zu Besuch bei Bergila in Südtirol.


Franz Niederkofler im Gespräch mit Sabrina Herber von Vivere und Eliane Zimmermann (aromapraxis.de) in der Folge “Fakt oder Fake: die traurige neue Welt der Naturdüfte”


Franz Niederkofler im Gespräch mit Ingrid Karner von Aromainfo.at in der Folge “Nachhaltige Aromatherapie mit Latschenkiefer aus Südtirol”



Außerdem möchte ich dich noch auf eine Auswahl weiterer kleiner Betriebe aufmerksam machen, die im Süden Deutschlands zuhause sind und ihre Leidenschaft leben. Es würde wohl den Rahmen sprengen, wenn ich jeden einzelnen ausführlich vorstelle, aber ich möchte sie wenigstens mit ein paar Worten erwähnen. Meine ausführliche Liste zu Herstellern im deutschsprachigen Raum, die ich aus eigener Erfahrung empfehlen kann, findest du in meinem Blog auf meiner Webseite.


Maienfelser Naturkosmetik steht seit 1977 von Hans-Peter Lindenmann gegründet seit über 45 Jahren als familiengeführte Manufaktur für ehrliche Naturkosmetik, handgemachte Qualität und eine tiefe Verbundenheit zu Pflanzen, Menschen und der Umwelt. Die Auswahl an ätherischen Ölen, Hydrolaten und vielem mehr ist sehr viel größer, als man von einem so kleinen Unternehmen erwartet. Absolut empfehlen kann ich dir auch einmal selbst in Maienfels nahe Heilbronn im Laden vorbei zu schauen. Ich war selbst schon da und war überwältigt von der Schönheit des Ladens und der spürbaren Liebe, die in jedem Zentimeter des Grundstücks steckt.


Zu Besuch bei Maienfelser Naturkosmetik.


Adlstraß verkauft eigenes Bio-Lavendelöl und -hydrolat aus der bayrischen Provence in Oberbayern - für eine enkeltaugliche Zukunft.

Das ätherische Öl gibt es auch bei Jophiel zu kaufen.


Für Kurzentschlossene: Am 25.06.2026 findet über das Aromaforum International e.V. eine Exkursion nach Adlstraß statt.


Duftnest und Buchoed: Von einem wissenschaftlichen Projekt zu den kostbaren Irisdüften aus Bayern. Bei ihnen gibt es Irisöl und exklusive Naturparfums mit Iris.


Zu Kaufen u.a. im Shop von Sabrina Herber


Außerdem war Marcel Flemming zwei Mal zu Besuch im Podcast bei Sabrina Herber und Eliane Zimmermann:

Folge “Edel und erdend: der Iris-Flüsterer über Irisduft aus Bayern”

Folge “Acker(n) - Alambic - Aromakunst”


Am 03.+04.10.26 findet in der Staudengärtnerei Gaißmayer in Illertissen der Aroma Refresher 2026 veranstaltet von Maria Hoch (Aromacampus) für alle Interessierten mit und ohne Grundkenntnissen der Aromatherapie statt. Dort ist u.a. Marcel Flemming als Dozent tätig. “Dr. Marcel Flemming berichtet über die Etablierung einer neuen Wertschöpfungskette vom Anbau der Iris in Bayern über die Verarbeitung und Extraktion der Rhizome bis in den Flakon.”

Infos und Anmeldung unter:


Kleine Sonnen: Naturreine Pflanzendestillate aus der Manufaktur von Kati Klein mit viel Liebe und Achtsamkeit. Hergestellt in kleiner Stückzahl im Südschwarzwald.


Und zu guter Letzt noch der Familienbetrieb Sensoleo aus Österreich, nahe Passau. Daniel Fuchs hat sein Hobby zum Beruf gemacht und destilliert ätherische Öle und Hydrolate.

“Unser Rohmaterial stammt, wenn möglich, von regionalen Landwirten und Bio-Kräuterbauern. Es wird ausschließlich Material verwendet, das im Rahmen von Durchforstung, normaler Waldarbeit oder Sturmschäden anfällt – kein Baum wird extra gefällt.”


Der Gründer Daniel Fuchs im Gespräch mit Sabrina Herber und Eliane Zimmermann in der Folge “Pflanzenwasser-Pionier: Zwischen Wald & Destille, Primär- und Sekundärhydrolat”


Glaubst du jetzt immer noch der Aussage, dass nur die großen amerikanischen Anbieter hochwertige ätherische Öle anbieten?



*Werbung aus Überzeugung. Nennungen von Namen und Links sind unbeauftragt und unbezahlt. Ich habe alle Informationen und Links mit bestem Wissen und Gewissen herausgesucht. Für Inhalte externer Links übernehme ich keine Verantwortung.


 
 
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